Waldorf

Die erste Waldorfschule öffnete im September 1919 in Stuttgart für die Arbeiterkinder der Zigarettenfabrik Waldorf Astoria ihre Tore. Emil Molt, Inhaber der Zigarettenfabrik, war ein vorausschauender Unternehmer. Er schuf einen der ersten von Arbeitern gewählten Betriebsrat und ließ vor seinen Arbeitern allgemeinbildende Vorträge halten. Schon damals wusste er vom Zusammenhang der Produktivität eines Betriebs und der geistig, seelischen und körperlichen Gesundheit der Arbeiter.

Einer der Vortragenden war Rudolf Steiner (1861-1925), Begründer der Anthroposophie. Er hatte Philosophie, Geschichte und Literatur studiert. Setzte sich nach dem 1. Weltkrieg für eine neue soziale Ordnung ein und übte sich als Hauslehrer, indem er einen schwer lernbehinderten Jungen betreute, dem er es durch seine pädagogischen Bemühungen möglich machte, das Abitur abzulegen und später Arzt zu werden. Seine Bemühungen und die Erziehung und Bildung der ihm anvertrauten Schüler führten Rudolf Steiner zu grundlegenden Einsichten in die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Auf der Grundlage dieser Entwicklungsgesetzmäßigkeiten begründete er für die Waldorfschule eine ganzheitliche Pädagogik, durch die Leib, Seele und Geist in gleicher Weise gefördert werden. Die ersten Waldorflehrer bildete Rudolf Steiner selbst aus. Seine erweiterte Menschenkenntnis fand Eingang in viele Lebensbereiche, so die anthroposophisch orientierte Medizin, die biologisch-dynamische Landwirtschaftsweise (Demeter), die Kunstformen Eurythmie und Sprachgestaltung.

Heute gibt es über 1.100 Waldorf- (oder Waldorf-inspirierte) Schulen und knapp 2.000 Waldorfkindergärten in rund 80 Ländern. Und es werden immer mehr.

100 Jahre waldorf

Waldorf
weltweit

In Deutschland bilden die Waldorfschulen die größte von Kirche und Staat unabhängige Schulform. Es gibt einen allgemein gehaltenen und auf die Altersstufen abgestimmten „Waldorflehrplan“, aber seine individuelle Ausgestaltung obliegt jeder Schule und jedem Lehrer in eigener Verantwortung. Die deutschen Waldorfschulen haben sich im „Bund der freien Waldorfschulen“ als Dachorganisation zusammengeschlossen. In Österreich ist dieser Dachverband der Waldorfbund. 

Weltweit gibt es über 1.100 Waldorfschulen, davon über die Hälfte in Europa, Deutschland und in Österreich. Noch größer ist die Zahl der Waldorf-Kindergärten, über 2.000. Der von Rudolf Steiner entwickelte pädagogische Ansatz ist auf der ganzen Welt in den unterschiedlichsten kulturellen und sozialen Umfeldern unter zum Teil schwierigsten Bedingungen umgesetzt worden – so zum Beispiel im Elendviertel der Favelas, der Großstadt-Slums in Brasilien, in den Township-Schulen unter der Apartheidpolitik Südafrikas, im palästinensischen Lageralltag des Gaza-Streifens, in Israel und sogar in den Kriegswirren des Balkan. Aber auch in den entwickelten Ländern wie USA, Australien, Japan und sogar China entstanden Waldorfschulen.

Der Lehrplan der Waldorfschule ist übernational und überkonfessionell orientiert. Er berücksichtigt jedoch kulturelle Gegebenheiten des jeweiligen Standortes auf den Gebieten der Geschichte, Sozialkunde, Geographie, Wirtschaftskunde, Literatur, Sprache, Kunst und Religion. Da Waldorfpädagogik sich an den Kindern und an den Gesetzen ihrer Entwicklung orientiert, ergeben sich von daher international einheitliche Schulstufen, was weltweit einen Schulwechsel für die Kinder ermöglicht. Hierdurch kommen die Waldorfschulen einer beruflich bedingten Mobilität der Erwachsenen entgegen.

1919 wurde die erste Waldorfschule in Stuttgart gegründet – 2019 wird „die Waldorfschule“ 100 Jahre jung! Weltweit feiern wir dieses Jahr die Waldorfpädagogik.

Aus Anlass des Jubiläums wurde vom Waldorfbund Österreich ein landesweiter Staffellauf initiiert. Er startete am 8. April um 8.45 Uhr in der Waldorfschule in Klagenfurt. Das Ziel des Laufes ist, alle Schulen in Österreich mit einer aus Holz geschnitzen Staffel zu erreichen.

Auf der ersten Wegstrecke wird die Staffel von der Waldorfschule Klagenfurt zur Freien Waldorfschule Graz transportiert. Nachdem die Staffel in allen Waldorfschulen Österreichs war, wird sie von der Waldorfschule Villach am 19.9. 2019 wieder zurück zur Waldorfschule Klagenfurt gebracht, um dort gemeinsam 100 Jahre Waldorf zu feiern.    

Waldorf
100

Waldorfschulen und Kindergärten orientieren sich an den Entwicklungsstufen des heranwachsenden Kindes. Die Inhalte sollen nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern als Hilfen dienen, den Willen zu stärken, das Gefühl für das Schöne, Edle und Wahrhaftige zu sensibilisieren und das logische Denken zur rechten Zeit heranzubilden. Damit wird auch die Grundlage für ein gesundes Urteilen gelegt und für die Fähigkeit, bewusst in Freiheit handeln zu können. Die Entwicklung von Kind und Jugendlichem lässt sich in drei große Abschnitte, die weitere kürzere Entwicklungsstufen enthalten, gliedern: 1. Jahrsiebt (0 – 7 Jahre), danach Eintritt ins Schulalter 2. Jahrsiebt (7 – 14 Jahre), danach Eintritt in die Pubertät 3. Jahrsiebt (14 – 21 Jahre), danach Reifung zur Selbstständigkeit. Die Übergänge stellen wesentliche Einschnitte dar, die besonderer Begleitung bedürfen.

Im ersten Jahrsiebt nimmt das Kind die Welt als gegeben unkritisch hin. Um in sie hineinzuwachsen, bringt es seine Nachahmungskräfte mit. Das Kind lebt äußerlich und innerlich spontan mit, was und wie Mutter, Vater oder andere Bezugspersonen sprechen, handeln und gefühlsmäßig äußern. Rudolf Steiner charakterisiert dieses Grundvertrauen in die Welt mit den Worten: „Die Welt ist gut“

Im zweiten Jahrsiebt möchte das Kind die Welt als schön, harmonisch und in sich stimmig erleben. Krankes muss wieder geheilt werden können, Böses muss geahndet werden und darf nicht den Sieg davontragen, alles muss gut ausgehen. Das Kind wünscht sich noch die geliebte Autorität, die Person, die es gern hat und der es aus dieser Zuneigung heraus folgen möchte. Das gibt ihm Lebenssicherheit, Willensstärke, Wachheit und Verantwortungsgefühl für die Welt. Es geht davon aus: „Die Welt ist schön“

Am Ende des zweiten Lebensjahrsiebts wird die natürliche Ablösung der Jugendlichen von den bisherigen Bezugspersonen immer deutlicher offenbar, bei den Mädchen früher und offensichtlicher, bei den Buben meist eher später und verdeckter. Im Jugendlichen reifen die Verstandestätigkeit und damit das selbständige Urteilsvermögen. Für das erwachende urteilende Denken müssen Anordnungen und Lehrinhalte objektiv begründbar sein: „Die Welt ist wahr.“

entwicklung
des
Kindes
und
Jugendlichen

weitere Informationen

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21 Fragen zur Waldorfpädagogik

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Waldorf 100 der Film (Teil 1)

Learn to Change the World zeigt Menschen rund um den Globus, die waldorfpädagogisch arbeiten. Der Film bildet den Auftakt zu weiteren Beiträgen, die zeigen sollen, wie konkrete Menschen mit konkreten Ideen auf Grundlage der Waldorfpädagogik an den pädagogischen Herausforderungen unserer Zeit arbeiten.

Waldorf 100 der Film (Teil 2)

Nach dem großen Erfolg von Teil 1 unseres Films „Learn to Change the World“ beschäftigt sich der zweite Teil mit Begegnung, Engagement und Inklusion: Lernen, das über bloßes Sammeln von Informationen hinausgeht, kann als ein individueller Weg zur Suche nach der Wahrheit verstanden werden. Ein Schwerpunkt des Films sind Begegnungen, durch die soziale, religiöse und ethnische Grenzen überwunden werden können, wie die Beispiele einer Brennpunktschule im kalifornischen Oakland, eines jüdisch-arabischen Kindergartens und des Parzival-Schulzentrums in Karlsruhe zeigen.

Becoming

„Becoming…“ ist der dritte Film einer Reihe von Kurzfilmen, die anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Waldorfpädagogik unter der Regie des vielfach ausgezeichneten kalifornischen Dokumentarfilmers Paul Zehrer produziert wurden und die einen Einblick in die inklusive Vielfalt der Waldorfpädagogik unter den unterschiedlichsten kulturellen, sozialen, religiösen und ökonomischen Bedingen rund um den Globus geben. Kein Lebensalter hat tiefergreifende Auswirkungen auf das ganze weitere Leben als die ersten Jahre der Kindheit. „Während der ersten sieben Jahre entwickeln Kinder das körperliche Fundament fürs Leben. Sie erfahren die Welt durch ihre Sinne und über Begegnungen mit Menschen,“ sagt Clara Aerts, Koordinatorin von IASWECE und Co-Produzentin des Films, der in den USA, Israel, Japan, Indien, Südafrika, Guatemala, der Tschechischen Republik, der Schweiz und in Deutschland gedreht wurde. „Die Erfahrungen, die wir unseren Kindern in diesem Alter ermöglichen – oder vorenthalten – bilden die elementarste Grundlage für ihr weiteres Leben und damit letztlich für Zukunft der Menschheit.“